Ausgangslage Kiesseen
Lageplan Kiesseen (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen)
Die Kiesseenlandschaft bestehend aus sechs Seen im Südosten der Stadt Nordhausen ist eine in Folge des Kiesabbaus entstandene Bergbaufolgelandschaft und gilt als ein wesentlicher Bestand unserer gebauten Umwelt, den es zu renaturieren, rekultivieren und behutsam einer Umweltverträglichen Nutzung zurückzuführen gilt.
Die Rekultivierung und Renaturierung soll gemäß Planfeststellungbeschluss unmittelbar nach Abschluss der Gewinnungsarbeiten, bei einer abschnittsweisen Ausbeutung der Lagerstätte zeitnah zum Abbau, erfolgen. Ziel ist der Ausbau eines regionalen Biotopverbundes und die Schaffung erholungsgeeigneter Freiräume.
Mit der Herausarbeitung der geltenden Planungen im Bereich des Bergrechts, Planungsrechts, informeller Planungen und Akteursgesprächen wurden die aktuellen Rahmenbedingungen deutlich.
Wesentliche Planungsziele Entwicklungskonzept
Maßnahmenplan des Entwicklungskonzepts (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen)
Das Entwicklungskonzept formuliert auf der Grundlage rechtlicher Rahmenbedingungen die strategische Ausrichtung für zukünftige Entwicklungen an den Kiesgewässern der Stadt Nordhausen und dient somit als Orientierungsrahmen für die Verwaltung, Politik und Dritte bei zukünftigen Planungen, der Koordination finanzieller Mittel und Bearbeitung konkreter Einzelmaßnahmen. Es dient als informelle planerische Grundlage. Ziel des Entwicklungskonzeptes ist die Koordination unterschiedlicher Nutzungsinteressen.
Wege und Radewegekonzept
Neben der geordneten Entwicklung der Nutzungen an den Kiesgewässern ist die Erreichbarkeit und Zuwegung der Seen ein Themenschwerpunkt. Ziel ist, den motorisierten Individualverkehr durch ein ausreichendes und räumlich sinnvoll verortetes Stellplatzangebot sowie Durchfahrtsverbote für PKW (Poller, Schranken, Gehwegbreiten usw.) von den Uferbereichen fernzuhalten. In diesem Zusammenhang wurde ein Wegekonzept für Fußgänger und Radfahrer entwickelt.
Angestrebt wird ein attraktiver Rundweg um den Möwensee für Fußgänger bzw. Radfahrer sowie die Aufwertung der Wegeverbindung entlang des Nordufers des Bielener Sees.
Im Regionalplan Nordthüringen wird auf den Kaiserweg verwiesen, welcher durch das Plangebiet führt und Harz, Seenplatte Goldene Aue und Kyffhäusergebirge miteinander verknüpft. Der naturnahe Gewässerausbau der Zorge durch das TLUBN bietet Synergieeffekte. Um diese zu nutzen, ist der Ausbau des Kaiser- und Lutherweges am Bielener See und Möwensee bis 2030 erforderlich. Im Zusammenhang mit dieser Maßnahme soll am Nordufer des Bielener Sees außerhalb von Flächen mit bergbaulicher Berechtigung ein Landschaftspark mit intensiv- und extensiv genutzten Freiflächen und touristischen Angeboten entstehen. Der Bielener See ermöglicht die intensive Freizeitnutzung.
Naturschutz
Die Beendigung der Bergaufsicht am Möwensee soll gemäß Abschlussbetriebsplan nach 2030 erfolgen. Er ist mit der Folgenutzung Naturschutz Teil des regionalen Biotopverbunds und bietet vorrangig heimischen Tier- und Pflanzenarten Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Auskiesung des Auesees schreitet in den nächsten 15 Jahren voran.
Beim Taucher- und Forellensee wird der Naturschutz künftig im Vordergrund stehen.
Die weitere städtebauliche Entwicklung am Sundhäuser See erfolgt in gesamtstädtischer Betrachtung im Rahmen der Überarbeitung des Flächennutzungsplanes der Stadt Nordhausen.
Beherbergungsangebote
Strandpunkt Goldene Aue und Campingplatz dienen dem Ausbau der Erholungs- und Tourismusinfrastruktur. Das Campen wird künftig nur auf dafür vorgesehenen Plätzen zulässig sein.
Für den über 4 ha großen Campingplatz am Bielener See muss von der Stadt noch ein Betreiber gefunden werden, welcher auch den Bebauungsplan entwickelt. Die geordnete Entwicklung und Unterhaltung weiterer kleinerer Campingplätze mit speziellen Angeboten am Sundhäuser See runden das touristische Angebot ab.
Das Projekt Strandpunkt soll sich mit Angeboten auch an die Nordhäuser wenden. In der Projektbeschreibung vom Februar 2025 wird folgendes geschrieben:
Die StrandWerk gGmbH, ein Gemeinschaftsprojekt von Nordhäuser Sozialunternehmen, plant den Strandpunkt Goldene Aue – einen barrierefreien Erholungs- und Freizeitort für Familien mit schwerkranken Kindern. Auf 7.000m² sollen Unterstützung, Betreuung und Entlastung geboten werden. Barrierefreie Unterkünfte ermöglichen Familien unbeschwerte Zeit miteinander. Qualifizierte Mitarbeiter bieten organisatorische Hilfe und koordinieren Freizeit- sowie Bildungsangebote wie Umweltbildung und handwerkliche Projekte.
Direkt am überregionalen Kaiserweg sind einfache Unterkünfte für Radfahrer und Wanderer denkbar.
Umweltverträgliche Freizeitaktivitäten
Das Entwicklungskonzept möchte werthaltige, robuste Freiraumstrukturen ermöglichen. Entstehen sollen Orte der Begegnung, Bewegung und Entspannung, die für alle offen und zugänglich sind. Die Qualifizierung der Freiräume bietet die Möglichkeit Natur zu erleben, heimische Flora und Fauna kennen zu lernen sowie Freizeit und Sportaktivitäten im und am Wasser nachzugehen.
Für die intensiv genutzte Fläche des Standbades ist eine neue Erschließung für Trink- und Abwasser notwendig.
Kiesseen Teilplan Möwensee (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen)
Für die Stadt Nordhausen ist es besonders wichtig, dass es Gastronomie am See gibt. Die Strandgaststätte sollte möglichst auch öffentlich betrieben werden.
Workshops zu verschiedenen Umweltthemen sowie Natur- und Umweltführungen für alle Altersgruppen können in Kooperation mit anderen Akteuren das Angebot bereichern.
Im Nordwesten des Sundhäuser Sees dominiert der Tauchsport. Eine städtebauliche und gestalterische Ordnung für das Zusammenspiel der Gewerbeflächen und dem Sondergebiet Erholen und Tauchsport wäre wünschenswert, um Aufenthaltsqualität zu erhöhen und den Tourismus sowie Naherholung zu stärken.