Informationen zu Bombenentschärfungen in Nordhausen

Hier finden Sie im Fall eines Bombenfundes sowie der folgenden Evakuierung und Entschärfung alle relevanten Informationen!

Im Fall eines Bombenfundes richtet die Stadt Nordhausen ein Lagezentrum ein, das die Organisation und Kommunikation der Evakuierung und Entschärfung koordiniert.

Bestimmungen der Thüringer Kampfmittelverordnung

Hier finden Sie die notwendigen Informationen zum Auffinden von Munition und Bombenblindgängern!


Bombenfunde Nordhausen - Ein Interview mit Andreas West (Firma Tauber Delaborierung)

Die Stadt Nordhausen wurde bei alliierten Bombardierungen am 3. und 4. April 1945 nahezu komplett zerstört. Seit 1954 wurden 409 Bombenblindgänger im Stadtgebiet (Stand 21.11.2018) entschärft bzw. mussten gesprengt werden. Vor 1954 gab es ca. 150 Entschärfungen. Diese Anzahl wurde aber nicht einheitlich dokumentiert.

Wir haben den Sprengmeister Andreas West, Tauber Delaborierung GmbH, nach dem Umgang mit Bombenfunden befragt:

Welche Gefahr geht von Bombenblindgängern aus?

Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg stellen auch sieben Jahrzehnte nach Kriegsende noch eine erhebliche Gefahr dar. Viele liegen noch unentdeckt im Boden und werden z.B. im Rahmen von Sondierungen für Baustellen oder bei Bauarbeiten gefunden. Die Sprengkörper von Bombenblindgängern sind immer noch intakt und daher genauso gefährlich wie zu Zeiten des Krieges. Zum Teil werden sie durch die Alterung immer empfindlicher und äußere Einflüsse wie Erschütterungen, Lageänderungen oder Temperaturschwankungen können dazu führen, dass sie explodieren. Dies ist ein Risiko, das nicht unterschätzt werden darf.

Was muss die Stadt tun, wenn ein Blindgänger gefunden wird?

Die Stadt muss umgehend die Firma Tauber Delaborierung GmbH über den Fund informieren. Die Experten erkennen um was für eine Art Bombe es sich handelt und wie gefährlich sie ist. Je nachdem um was für eine Bombe es sich handelt, muss diese gesprengt oder entschärft werden.
Aufgrund des hohen Risikos, dass von den Blindgängern ausgeht, werden sofort Maßnahmen eingeleitet, damit die Bombe so schnell wie möglich gesprengt oder entschärft werden kann. Im Idealfall noch am selben Tag.

Wie lange können die Blindgänger noch in der Erde verbleiben?

In deutschen Böden liegen noch Zehntausende unentdeckte Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg. Experten schätzen, dass im Schnitt jede zehnte der Millionen Bomben, die amerikanische und britische Flugzeuge über deutschen Städten abwarfen, nicht explodierte. Manche liegen nur 30 Zentimeter tief unter der Erde, andere sechs Meter. Eine Gefahr sind sie alle. Wie lange solche Kampfmittel gefährlich bleiben, ist schwer zu sagen. Hier möchte ich nicht spekulieren. Bomben und Munitionmit Langzeitzündern oder Vorgespannten Schlagstücken können sich im Alterungsprozess von selber umsetzen.

Wer legt den Evakuierungsbereich bei einer Entschärfung fest? Auf welchenAnnahmen beruht der Ausweis des Bereichs?

Der Evakuierungsbereich wird von Sprengmeister festgelegt. Die rechtliche Grundlage ist das Sprengstoffgesetz (SprengG). Die Entschärfung einer Bombe kommt diesbezüglich einer Sprengung gleich.
Das Sprengstoffgesetz sagt dazu:
„Werden bei Eisen- und Stahlsprengungen keine Schneidladungen eingesetzt, umfasst der Sprengbereich in der Regel einen Umkreis mit einem Radius von 1 000 m von der Sprengstelle.“

Der Sprengberechtigte darf im Einvernehmen mit dem Erlaubnisinhaber den Sprengbereich verkleinern, wenn sichergestellt ist, dass Personen und Sachgüter nicht gefährdet werden. Dies muss im Rahmen der Ermittlung und Beurteilung der Gefährdungen dargelegt werden.
Die erforderliche Vergrößerung oder eine zulässige Verkleinerung des Sprengbereichs kann unter Berücksichtigung der jeweiligen örtlichen Gegebenheiten in unterschiedlichen Richtungen und Abmessungen vorgenommen werden.

Die Fa. Tauber setzt ein neues innovatives Verfahren zur Entschärfung ein. Was sind die technischen Hintergründe und welche Vorteile bringt diese neue Technologie?

Wir haben ein Wasserschneidsystem von der Firma Hammelmann angeschafft. Eine Hochleistungspumpe erzeugt ein Wasserdruck bis zu 3.000 bar. Dem Wasser wird feiner Sand zugeführt und das Gemisch Wasser/Sand schneidet über eine spezielle Düse bis zu 12 cm Stahl.
Somit müssen wir nicht mehr den Zünder mit Hammer, Meißel und großer Rohrzange aus der Bombe herausdrehen. Wir können aus der Deckung heraus, über Kameras den Schneidvorgang beobachten und steuern.

Für unsere Kollegen ist somit eine hohe Sicherheit gegeben. Wir sind in der Lage, mit dem System auch Bomben mit Langzeitzünder zu entschärfen. Es bleibt aber nach wie vor eine Einzelentscheidung, wie die Entschärfung der Bombe vorzunehmen ist. Sprengungen sind ggf. weiterhin erforderlich. Zum Beispiel, wenn eine Bombe mit Langzeitzünder bewegt wurde, bleibt in der Regel die Sprengung die einzige Option. Ein längerer Aufenthalt an der Bombe ist dann nicht möglich.
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