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Die weltweite Kunst der Schere

Bild: Besucher zur Vernissage
Kunsthaus Meyenburg (Foto: Pressestelle)
Am Samstag hat die Leiterin der Städtischen Museen Nordhausen Susanne Hinsching im Kunsthaus Meyenburg eine neue Sonderausstellung eröffnet, die sich der künstlerischen Technik des Scherenschnittes widmet. Gezeigt werden 125 Arbeiten aus 4 Jahrhunderten und von 2 Kontinenten.
Obwohl der Papierschnitt weltweit verbreitet ist und von zahlreichen namhaften Künstlerinnen und Künstlern praktiziert wurde, wird diese so reizvolle Technik immer wieder und oft zu Unrecht, ins Randgebiet der bildenden Kunst geschoben.
Vor allem die Arbeiten von Luise Neupert zeigen die künstlerische Qualität von Scherenschnitten bzw. Papierschnitten. Dank eines privaten Leihgebers aus Dresden können im Kunsthaus Meyenburg gleich 55 Arbeiten dieser außergewöhnlichen Künstlerin präsentiert werden, die in ihrem über 50-jährigen Schaffen auf dem Gebiet des Papierschnitts eine besondere Meisterschaft erreicht hat.
Die in Chemnitz geborene Künstlerin Luise Neupert erblickte, wie Erika Schirmer, im Jahr 1926 das Licht der Welt und starb 2009 in Schmölln.
Die Virtuosität ihrer Schnitte, ihre künstlerische Handschrift, verrät die geniale Begabung für dieses Genre. Bereits in den 1940 Jahren schuf sie erste Scherenschnitte. Diese frühen Arbeiten sind durch eine eher romantische Darstellungsweise geprägt, manche mit Jugendstilelementen, manche mit expressionistischen Zügen. Ihr Werk umfasst drei große Gruppen: nichtliterarische freie Darstellungen, Illustrationen zur Weltliteratur und Märchen- bzw. Sagendarstellungen.

Bei den Damenporträts „Elfriede“ oder „Der neue Hut“, beispielsweise, hat Neupert sehr kühn die differenzierten Schwarz-Weiß-Flächen ins Format gesetzt und mit einigen wenigen feinen Linien kontrastiert. Man wird an Holzschnitte erinnert, die Assoziationen sowohl zum Expressionismus als auch zum Jugendstil hervorrufen. Die Reihe von „Musizierenden Damen“ zeigen eine besonders temperamentvolle Linienführung und eine unglaubliche Beschwingtheit erzeugen. Zu ihren besonders faszinierenden künstlerischen Highlights zählen auch die Arbeiten zu ihren selbst geschriebenen Limericks, die zeigen, dass Scherenschnitte sehr witzig sein können. Die meisten Limericks sind lustig und skurril, manche sogar erotisch-frivol! Deshalb gibt es in der Ausstellung im OG auch einen Raum mit erotischen Scherenschnitten!

Zu den Highlights der neuen Sonderausstellung gehören aber auch die asiatischen Papierschnitte, die vor allem durch ihre außergewöhnliches Material – von hauchdünnem Seidenpapier bis hartem Büffelleder – und ihre Farbigkeit die zahlreichen Besucher der Vernissage beeindruckten, die sich trotz der hohen Temperaturen den Kunstgenuss nicht entgehen lassen wollten.

Die Ausstellung ist bis zum 30. August im Kunsthaus Meyenburg zu sehen.
Öffnungszeiten:
Di – So 10 bis 17 Uhr
Eintritt: 6,50 € / ermäßigt 4,50 €
Kinder bis 18 Jahren haben freien Eintritt.