Meldung
Invasive Neophyten stellen Nordhausen vor große Herausforderungen – Stadtverwaltung informiert über Gefahren, Zuständigkeiten und Bekämpfungsmaßnahmen

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japanischer Staudenknöterich (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen)
Nordhausen (psv) Die Stadt Nordhausen informiert über das verstärkte Auftreten invasiver Neophyten im Stadtgebiet und weist auf die damit verbundenen ökologischen sowie teilweise gesundheitlichen Risiken hin.
Insbesondere die Pflanzenarten japanischer Staudenknöterich (Fallopia spp.), Orientalisches Zackenschötchen (Bunias orientalis) und Riesenbärenklau (Heracleum giganteum) breiteten sich in den vergangenen Jahren zunehmend aus und stellen Grundstückseigentümer sowie öffentliche Aufgabenträger vor erhebliche Herausforderungen.

Invasive Neophyten sind gebietsfremde Pflanzenarten, die sich außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes etablieren und aufgrund ihrer hohen Konkurrenzkraft heimische Pflanzenarten verdrängen können. Das führt zu einer verringerten Artenvielfalt und gefährdet die natürlichen Lebensräume von einheimischen Pflanzengesellschaften, Insekten, Vögeln und anderen Tieren.

Der japanische Staudenknöterich bildet dichte Bestände und verfügt über ein äußerst kräftiges Wurzel- und Rhizomsystem. Die Art kann sich rasch entlang von Gewässern, Verkehrswegen und Brachflächen ausbreiten und erschwert die Entwicklung heimischer Vegetation erheblich.
Bekämpfung: Vollständiges Ausgraben der Rhizome und fachgerechte Entsorgung über den Wertstoffhof, kleine Mengen in den Restmüll (nicht Kompostieren oder auf andere Flächen bringen!), 10-12maliges Abmähen schwächt die Pflanze

Auch das Orientalische Zackenschötchen breitet sich zunehmend aus. Die robuste und anpassungsfähige Pflanze besiedelt bevorzugt Straßenränder, Böschungen und Offenlandflächen und verdrängt dort heimische Pflanzenarten. Das Orientalische Zackenschötchen ist ein Kreuzblütler, der dem heimischen Raps zum Verwechseln ähnlich sieht.
Bekämpfung: Vollständiges Ausgraben der Rhizome oder regelmäßige Mahd, insbesondere vor der Samenausbildung

Besondere Aufmerksamkeit erfordert der Riesenbärenklau. Der Pflanzensaft enthält phototoxische Inhaltsstoffe, die bei Hautkontakt in Verbindung mit Sonnenlicht schwere Hautentzündungen, Verbrennungen und langanhaltende gesundheitliche Beeinträchtigungen verursachen können. Der Saft befindet sich in allen Teilen der Pflanze (Blätter, Stängel, Blüten, Wurzeln und Samen). Selbst das Einatmen der Dämpfe (z.B. beim Mähen oder Zerkleinern) kann zu Übelkeit, Atembeschwerden und Kreislaufproblemen führen. Die Bürgerinnen und Bürger werden daher eindringlich gebeten, den direkten Kontakt mit der Pflanze zu vermeiden und Funde den zuständigen Stellen zu melden.
Bekämpfung: Rhizome ausstechen und entsorgen, regelmäßige Mahd, Blütenstände fachgerecht entsorgen (Restmüll)

Die Stadt weist darauf hin, dass die Bekämpfung invasiver Neophyten grundsätzlich in der Verantwortung der jeweiligen Grundstückseigentümer beziehungsweise Nutzungsberechtigten liegt.
Dies betrifft sowohl private als auch gewerbliche und sonstige nichtstädtische Flächen. Eine frühzeitige Erkennung und Bekämpfung der Bestände ist entscheidend, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern und den erforderlichen Aufwand möglichst gering zu halten.

Vorkommen invasiver Neophyten können den zuständigen Fachämtern gemeldet werden. Entsprechende Hinweise aus der Bevölkerung leisten einen wichtigen Beitrag zur Erfassung von Beständen und zur Planung notwendiger Bekämpfungsmaßnahmen. Für eine Bearbeitung der Meldungen sind möglichst genaue Standortangaben sowie gegebenenfalls Bildmaterial hilfreich.

Zuständige Ämter:
  • städtische Flächen – SG Umwelt und Grünordnung (Telefon:03631-696 9463)
  • Gewässer – TLUBN Zur Website
  • Baulicher Außenbereich - Landratsamt Nordhausen (Fachbereich Umwelt- und Naturschutz)



Auf städtischen Grundstücken führt die Stadt Nordhausen im Rahmen der finanziellen Leistungsfähigkeit regelmäßig Maßnahmen zur Bekämpfung invasiver Pflanzenarten durch. Dabei konzentriert sich die Stadt auf kommunale, öffentliche Wegebeziehungen und das Zurückdrängen von neuen Standorten.

Angesichts der zunehmenden Ausbreitung, der hohen Regenerationsfähigkeit einzelner Arten (die Samen des Riesenbärenklaus bis zu 20.000 oder mehr, bleiben im Boden 7-15 Jahre keimfähig) sowie die Vielzahl betroffener Flächen ist die Eindämmung der Neophyten eine erhebliche ökologische, organisatorische und finanzielle Herausforderung. Eine nachhaltige Eindämmung invasiver Neophyten kann nur durch das gemeinsame Handeln aller Flächeneigentümer erreicht werden. Die Mitwirkung der Bürgerinnen und Bürger sowie der privaten Grundstückeigentümer ist hierfür ein wesentlicher Baustein.

Die Stadt Nordhausen bittet daher um Verständnis, dass eine vollständige Beseitigung aller vorhandenen Bestände nicht möglich ist. Gleichzeitig wird um aktive Unterstützung gebeten.

Durch die Meldung von Vorkommen, insbesondere von neu etablierten Einzelstandorten, die fachgerechte Bekämpfung auf Privatflächen und einen verantwortungsvollen Umgang mit Pflanzenmaterial kann jeder Einzelne dazu beitragen, die weitere Ausbreitung invasiver Arten einzudämmen und die heimische Natur nachhaltig schützen.