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OBJEKT DES MONATAS SEPTEMBER: Das Gips doch nicht!

Bild: Flohburg
Flohburg (Foto: Pressestelle)
OBJEKT DES MONATAS SEPTEMBER:
Das Gips doch nicht!

Was haben Schlossbau, Backen in Notzeiten und Marienglas gemeinsam? Mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde: Bei all diesen Dingen kam Gips zum Einsatz.

Weißgrau, fast farblos bis leicht gelblich und meist feinkörnig. Dem Aussehen nach erscheint Gipsgestein zunächst unscheinbar. Doch seine Bedeutung zieht sich durch die Jahrhunderte bis heute. In der Region Nordhausen gibt es seit Jahrhunderten reiche Gipsvorkommen, die vielfältig genutzt wurden. Schon in frühgeschichtlicher Zeit diente Gips als Baustein für Befestigungen, im Mittelalter wurde er gebrannt und als Mörtel verwendet. In seiner durchsichtigen Variante, dem sogenannten „Marienglas“, ersetzte er Glas und schützte Heiligenbilder.
Doch Gips konnte auch zur Gefahr werden, denn zwischen 1600 und 1750 backte die hungernde Bevölkerung in Notzeiten Brot aus verwittertem Gips, dem sogenannten „Himmelsmehl“. Viele erkrankten oder starben nach der Einnahme.
Neben diesen außergewöhnlichen Einsatzmöglichkeiten glänzt Gips auch in seiner mikrokristallinen Form, dem Alabaster. Im 17. und 18. Jahrhundert war er so begehrt, dass Hofbildhauer im Auftrag des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. und des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. darauf zurückgriffen. Besonders der „Hohenstein’sche Marmor“ aus unserer Region fand seinen Weg in prunkvolle Schlossausstattungen.
Auch heute noch ist das wirtschaftliche Interesse an dem Rohstoff ist groß. So groß, dass der Abbau von Naturgips immer wieder zu Widersprüchen gegenüber dem Naturschutz und der Landschaftspflege führt.

Entstanden ist das Mineral vor Millionen von Jahren durch das Verdunsten von Meerwasser in Ufernähe. Damit ist ein Überbleibsel längst vergangener Landschaften entstanden, das uns bis heute beispielsweise im Südharzer Gipskarst begleitet.
Neugierig geworden? In der Flohburg | Das Nordhausen Museum wartet neben verschiedenen Gipsgesteinen eine ganze Schatzkammer geologischer Besonderheiten aus Nordhausen auf Sie. Kommen Sie vorbei und entdecken Sie die Vielfalt unserer Mineralien- und Gesteinssammlung!

Öffnungszeiten: Di bis So 10 bis 17 Uhr
Kinder bis 18 Jahre haben freien Eintritt!