Friedrich Christian Lesser

(1692 – 1754)

Prediger und Historiker

Friedrich Christian LesserFriedrich Christian Lesser schreibt in seiner Biografie des Laurentius Süße, des ersten evangelischen Pfarrers in Nordhausen: „Ich habe immer die Meinung gehegt, es sei unanständig, in der Erkenntnis der Geschichte auswärtiger Dinge daheim, und einheimischer ein Fremdling zu sein.“ In diesem Sinne ist er nicht nur Pastor, sondern widmet sich der Nordhäuser Stadtgeschichte und schafft das erste umfassende Geschichtsbuch Nordhausens.

Lessers Vater war evangelischer Geistlicher an St. Nicolai zu Nordhausen. Seine Mutter war Tochter eines Hofpredigers in Rudolstadt. Friedrich-Christian wird am 12. Mai 1692 geboren.

Nach Ausbildung durch Privatlehrer und am Nordhäuser Gymnasium geht er zum Medizin-Studium nach Halle, wendet sich aber unter dem Einfluss August Hermann Franckes dem Theologie-Studium zu, das er 1712 in Leipzig, und dann wieder in Halle fortsetzt. Auf Wunsch seines Vaters kehrt Lesser nach halbjährigem Aufenthalt in Berlin in die Heimat zurück und ist Erzieher in Kinderode und Großwerther, bis er im Dezember 1716 die Pfarrstelle der Frauenberger Gemeinde antritt. Im November 1717 heiratet er eine Tochter des Bürgers und Kaufmanns Wolfram, wird aber bereits 1729 Witwer. Wegen der heranwachsenden Kinder heiratet er 1731 die Tochter des königl. preuß. Rats Johann Günther Riemann, eines Bruders des bedeutenden Bürgermeisters Chilian Volkmar Riemann. 1741 wird er Pfarrer an der Jacobikirche und stirbt 1754.

Lesser hat sich als Prediger, Naturforscher und als Historiker empfunden und als Polyhistor nicht nur seine Amtsbrüder am Orte überragt. Als Schüler und Freund A. H. Franckes neigt er dem Pietismus zu und vertritt diesen auch im Nordhäuser Gesangbuchstreit von 1735-1738. Dabei ist er kein Eiferer, seine Predigten zeigen eine aufs Praktische gerichtete, humane und historische Einstellung.

Auffällig drückt sich der wirklichkeitsnahe Charakter Lessers in dem allein durch seine Triebkraft vollendeten Neubau der Jacobikirche aus. Er ist Hauptvertreter der physicotheologischen Bewegung, der die Betrachtung und Erforschung der Natur als Mittel der Gotteserfahrung und Gotteserkenntnis ansah. Auch auf historischem und auf kartografischem Gebiet ist er intensiv tätig, schafft die noch heute nachschlagenswerte Biografien und die 1740 veröffentlichten „Historischen Nachrichten von der Kayserlichen und des Heil. Röm. Reiches Freyen Stadt Nordhausen“, durch die er als erster seiner Vaterstadt eine umfassende Aufzeichnung ihrer Geschichte schenkte.


(nach: R. H. Walther Müller und S. Rein)