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Internationale Bauausstellung Thüringen (IBA)

Kandidat der Int. Bauausstellung Thüringen

Hochschule und Stadt Nordhausen haben sich 2014 erfolgreich als IBA Kandidat qualifiziert und streben an, ein oder mehrere IBA-Projekte in Nordhausen bis zum Expositionsjahr 2023 zu realisieren. Die Kandidatur von Hochschule und Stadt ist dem Ziel „Nordhausen - ModellStadtRegion für energetischen Wandel" zugeordnet. Mit diesem Titel haben die drei Partner IBA, Hochschule und Stadt 2015 und 2016 an dem „Wettbewerb Zukunftsstadt“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung teilgenommen und die Themen für die IBA-Kandidatur weiterqualifiziert. In fünf Bürgerwerkstätten wurden öffentlich Ideen entwickelt. Entstanden ist eine ganzheitliche Zukunftsstrategie, die sich aus vier Handlungsfeldern zusammensetzt: Stadtland Kommunikation, Stadtland Mobilität, Wertstoffwende und Energiewende.

Abgeleitet aus dem Integrierten Klimaschutzkonzept 2050 (IKSK 2050), dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept 2030 (ISEK 2030) und im Ergebnis der Zusammenarbeit mit den beiden Wohnungsunternehmen Städtische Wohnungsbaugesellschaft mbH Nordhausen (SWG) und Wohnungsbaugenossenschaft eG Südharz (WBG) in der Arbeitsgruppe Stadtumbau sollen zwei Quartiere energetisch und modellhaft entwickelt werden: der Plattenbaustandort Nordhausen-Nord und das Altendorfer Kirchviertel. Vorbereitend hierfür wurde im März 2016 eine 2-tägige IBA-Programmwerkstatt durchgeführt, in der mit externen Experten und lokalen Akteuren die Exzellenzkriterien für die Entwicklung der IBA-Quartiere herausgearbeitet wurden.

Klimagerechte Quartiersentwicklung Nordhausen-Nord

Um die klimagerechte Quartiersentwicklung an einem praktischen Beispiel im Rahmen der IBA Thüringen zu zeigen, sollen im Modellquartier Nordhausen-Nord beispielhafte, energie- und ressourcenschonende, sozialverträgliche und gestalterisch hochwertige Projekte umgesetzt werden. Um dieses Ziel zu erreichen, sind in der Vorbereitungsphase drei Bausteine nötigt:

1. Energiebedarfs- und potenzialanalyse auf Quartiersebene

Ende 2016 wurde von der Stadt Nordhausen das Büro Faktor i³ beauftragt, eine Energiebedarfs- und potenzialanalyse für das Plattenbauquartier Nordhausen-Nord zu erarbeiten. Im Ergebnis werden auf Basis der Bestandaufnahme der aktuellen Energieerzeugung und des Energieverbrauchs Aussagen erwartet, wie die Erzeugung weitestgehend auf erneuerbare Energien umgestellt und durch welche Maßnahmen der Energie- und Wärmeverbrauch gesenkt werden kann. Gesucht werden beispielhafte, neue Lösungen für eine maximale CO2-Einsparung.
Die Ergebnisse der Energiebedarfs- und –potenzialanalyse werden in die weiteren Verfahrensschritte einfließen.

2. Rahmenstudie (Rahmenplan) für das Quartier Nordhausen-Nord

Für die städtebauliche und hochbauliche Qualifizierung wird ein zweistufiges Verfahren angestrebt. Die erste Stufe wird als Mehrfachbeauftragung zur Erarbeitung einer städtebaulichen Rahmenstudie mit konkreten Entwicklungspotenzialen und -zielen durchgeführt.

Im Rahmen der Mehrfachbeauftragung erhielten drei Büros die gleiche Aufgabenstellung, die im Zeitraum vom 1. April bis 9. Juni 2017 bearbeitet wurde. Allerdings sind hier – abweichend von anderen Wettbewerbsverfahren – die teilnehmenden Büros nicht anonym. Die Teilnehmer wußten voneinander und nahmen gemeinsam an der Zwischen- und Endpräsentation teil.

Zu den Büros bzw. Bürogemeinschaften zählten:

  • Teleinternetcafe (Berlin ) mit HWK LandschaftsArchitekten Knödler (Ratingen)
  • DeZwarteHond. (Rotterdam/Köln) mit plandrei Landschaftsarchitektur (Erfurt)
  • Topotek 1 (Berlin)

Die eingereichten Rahmenstudien wurden am 13. Juni 2017 dem Gutachtergremium vorgestellt. Dieses setzte sich zusammen aus 5 Fachgutachtern

  • Dr. Marta Doehler-Behzadi, Stadtplanerin; Geschäftsführerin IBA Thüringen
  • Prof. Dr. Dagmar Everding, Architektin; Professur Dezentrale Strukturen und Systeme, Hochschule Nordhausen
  • Florian Köhl, Architekt; fatkoehl architekten (Berlin)
  • Jun.-Prof. Dr. Sigrun Langner, Landschaftsarchitektin; Professur Landschaftsarchitektur und -planung, Bauhaus-Universität Weimar, STATION C23 (Leipzig)
  • Prof. Ingo Andreas Wolf, Architekt und Stadtplaner; Professur für Städtebau und Entwurf, HTWK Leipzig, pwbaukunst (Leipzig), Mitglied des Fachbeirats der IBA Thüringen

und 4 Sachgutachtern

  • Sven Dörmann, Vorstand Wohnungswesen der Wohnungsbaugenossenschaft eG Südharz
  • Inge Klaan, Geschäftsführerin der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft mbH Nordhausen
  • Manfred König, Erster ehrenamtlicher Beigeordneter der Stadt Nordhausen (i.V. für OB Herrn Dr. Zeh)
  • Dr. Horst Petri, Bewohnervertreter
Hinzu kamen sachverständige Berater (Vertreter der Faktionen im Stadtrat, der IBA und aus dem Amt für Zukunftsfragen und Stadtentwicklung).

Das Gutachtergremium empfahl einstimmig, den Entwurf von Teleinternetcafe in Kooperation mit HWK-Landschaftsarchitekten weiter auszuarbeiten:

Mehr Stadt. Mehr Land. Mehr Siedlung

Das Team beantwortet die Frage, wie sich das Plattenbauquartier Nordhausen Nord zwischen Stadt und Land erneuern kann, mit der sensiblen Herausarbeitung seiner Potenziale. Dazu entwickeln die Autoren einen dynamischen Rahmenplan auf drei Ebenen.

1. Mehr Stadt! Intensivieren!

  • Die Quartiersmitte wird baulich und programmatisch verdichtet. Kurze Wege, diverse und sich überlagernde Nutzungen (Stadt-Land-Haus, Quartiersterrassen, Stadt-Land-Akademie) sowie eine schrittweise Neuorganisation der Mobilitätsangebote konzentrieren die Alltagsbedarfe in einem neu gestalteten zentralen Stadtraum (Stadtloop). Stellplätze erhalten eine Mehrfachnutzung.

2. Mehr Land! Modifizieren!

  • Innere und äußere Landschaftsräume werden punktuell programmatisch aufgeladen (Hobbyhimmel, Entschleunigungs-Datschen, Quartiersbaumschule) und stärker miteinander verflochten (neue Stadt-Land-Wegebeziehungen). Geschlossene Kreisläufe (Grau- und Regenwasserbewirtschaftung) machen die Landschaft als grüne Infrastruktur erlebbar. Der überwiegende Teil der landschaftlichen Flächen wird extensiv und bewirtschaftungsarm gestaltet.

3. Mehr Siedlung! Pointieren!

  • Die Wohnhöfe werden schrittweise mit den Bewohnern zu gemeinschaftlichen Freiräumen umstrukturiert (Hofunternehmen). Das Raumangebot wird im Sinne einer sozialen Mischung und eines generationsübergreifenden Erfahrungsaustauschs diversifiziert (Mehrwegplatte, aktive Ecken). Alle Maßnahmen sollen möglichst bestandsnah realisiert werden, um unnötiges Freisetzen von grauer Energie zu vermeiden.
Die Rahmenstudie wird nun zu einem Rahmenplan ausgearbeitet. In dieser Phase werden die Ideen auf ihre Umsetzbarkeit hin überprüft und gegebenenfalls Änderungen am Plan vorgenommen. Stellungnahmen und Hinweise der Bürgerinnen und Bürger konnten während der Ausstellung der Rahmenstudien abgegeben werden (13.6.-3.7.2017) sowie mit den Verantwortlichen am 21. Juni 2017 im Rahmen eines Bürgergespräches erörtert werden.

Rahmenplan Klimagerechte Quartiersentwicklung Nordhausen-Nord

Der Rahmenplan für Nordhausen-Nord wurde am 3.12.2018 in einer Bürgerversammlung vorgestellt und am 5.12.2018 vom Stadtrat beschlossen (BV/1198/2018). Der Plan beschreibt die langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten des Stadtteils und bietet Orientierung für alle künftigen Veränderungen im Quartier. Die Broschüre und der Lageplan zum Rahmenplan stehen weiter unten zum herunterladen zur Verfügung.

3. Hochbaulicher Realisierungswettbewerb für Teilbereich des Quartiers Nordhausen-Nord

Als zweite Stufe wurde ein hochbaulicher Realisierungswettbewerb für einen Teilbereich in der zweiten Jahreshälfte 2018 durchgeführt. Ausgewählt wurde das Quartier Carl-von-Ossietzky-Straße, dessen Wohnungsbestand sich vollständig im Eigentum der SWG befindet. Unter dem Titel „Multitalent gesucht“ werden in einem von der SWG ausgelobten Realisierungswettbewerb Ideen für einen klimagerechten Umbau des durch DDR-Plattenbau geprägten Quartiers gesucht. An dem Quartier sollen exemplarisch unterschiedliche Sanierungsstandards realisiert werden. Von einer behutsamen Optimierung des Bestandes bis hin zu Grundrissveränderungen sind Umbauvorschläge gefragt. Dabei soll der Wohnraum so umgestaltet werden, dass er für eine sozial und demografisch vielfältige Bewohnerschaft geeignet ist. Die Innovation im Sinne des Klimaschutzes liegt nicht auf dem hohen technischen Niveau des Gebäudeausbaus, sondern in aufeinander abgestimmten Maßnahmen der ganzheitlichen Entwicklung. Die Entwürfe sollen einen Anstoß zur Diskussion der oft teuren technischen Sanierung nach der Energieeinsparverordnung (EnEV) anstoßen, die häufig nicht mit dem Nutzerverhalten harmoniert. Für den durch ruhenden Verkehr dominierten Wohnhof sind Vorschläge gesucht, wie dieser zu einem für die Bewohner nutzbaren und ökologisch wertigen Freiraum umgestaltet werden kann. Die im Wettbewerb gesuchten Lösungen zur Gestaltung eines klimagerechten Alltags sollen auch auf andere Quartiere übertragbar sein.

Zu dem nichtoffenen Realisierungswettbewerb waren 25 Teilnehmer nach einem vorgeschalteten Bewerbungsverfahren zugelassen. 9 Teilnehmer wurden im Vorfeld gesetzt, 16 Teilnehmer wurden per Losziehung ermittelt. Zur Teilnahme aufgefordert wurden Arbeitsgemeinschaften aus Architekten, Fachplanern für die technische Ausrüstung und Landschaftsarchitekten. Die Wettbewerbsbekanntmachung erfolgte am 7. August 2018. Der Bearbeitungszeitraum lief vom 10. September 2018 bis zum 2. November 2018. Am 27. November 2018 tagte das Preisgericht und hat die Preisträger unter den Einreichungen ermittelt.
Die Ausstellung der Wettbewerbsergebnisse fand vom 30. November bis 12. Dezember 2018 im Bürgersaal des Neuen Rathauses statt. Im Begegnungszentrum Nordhaus soll durch die SWG eine Information zu den Entwürfen und langfristig zur Umsetzung eines der Ergebnisse vorgehalten werden.
Erster Preis
Der erste Preis ging an die Arbeitsgemeinschaft von Hütten & Paläste Architekten, Berlin mit herrburg Landschaftsarchitekten, Berlin mit eZeit Ingenieure, Berlin und mit ZRS Architekten GvA mbH, Berlin.
Die Jury schreibt hierzu (Auszüge): Das Team formulierte mit den Häusern Franzi, Ludwig & Sophia drei gelungene Ansätze für die Transformation der einzelnen Bestandsgebäude. Auf maßvolle und differenzierte Art und Weise wird jedes Gebäude für sich konsequent und durchaus prototypisch umgesetzt. Der Entwurf enthält eine gemeinsame Terrassenzone für alle drei Baukörper, wodurch eine barrierefreie Erschließung ermöglicht wird.
Sophie, die Mehrwertplatte (Carl-von-Ossietzky-Str. Nr 3-6), erhält einen vorgelagerten breiten Laubengang zum Hof, der neben der barrierefreien Erschließung auch als Aufenthaltsraum genutzt werden kann. Positiv werden die Maisonettewohnungen im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss bewertet, welche Modelle für integriertes Wohnen und Arbeiten ermöglichen und gleichzeitig eine Distanz zum gemeinschaftlichen Hof schaffen.
Bei Ludwig, der optimierten Bestandsplatte (Dr.-Robert-Koch-Str. 4-18), werden die bestehenden Grundrisse beibehalten. Die einfache Lösung die bestehende Balkonzone zum Wintergarten auszubauen und als Klimapuffer zu nutzen, wird begrüßt. Die Treppenhäuser werden im Erdgeschoss zum Innenhof durchgesteckt, was einen direkten Zugang für alle ermöglicht. Die Wohnungen im EG werden mit privaten Gärten zum Hof ausgestattet.
Bei Franzi, dem neuen Bestandsblock (Albert-Traeger-Str. 43), wird der bestehende Laubengang den Wohnungen zugeordnet und beinhaltet kleine Abstellräume und Nischen als Eingangsbereiche für die Wohnungen. Ein vorgesetzter Laubengang nimmt den neuen Lift auf und macht alle Wohnungen barrierefrei nutzbar.
Der grüne Innenhof wird durch Gartenhäuser ergänzt und ein Pufferspeicher für Regenwasser vorgesehen. Stellplätze werden vor allem im Süden des Hofes angeordnet.
Generell zeichnet sich die gesamte Arbeit durch einen sehr geschickten, maßvollen, differenzierten und dadurch innovativen Umgang mit präzisen Eingriffen in die Bestandssituation aus, welche in Summe die in der Auslobung genannten Zielstellungen weitgehend erfüllen.
Zweiter Preis
Der zweite Preis wurde an einszueins Architektur ZT gmbH, Wien mit YEWO Landscapes e.U. Wien und mit E7 Energie Marktanalyse GmbH, Wien vergeben. Das Planungsteam hat seinen Entwurf „Multitalent gefunden! OHO – Gemeinsam wohnen im Ossietzky-Hof“ benannt. Die Jury schreibt hierzu (Auszüge): Nutzerorientiert gelingt es dem Entwurf mit gut gewählten, gebäudespezifischen architektonischen Mitteln, den Bewohnern durch räumliche Vielfalt mannigfaltige Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten anzubieten. Dabei hält das Projekt an der Bausubstanz des Bestandes weitgehend fest und erweitert jedes Gebäude sehr gezielt durch bauliche Anfügungen, sogenannte Add-ons, die in systemischer Holzbauweise hergestellt werden sollen.
Flexible Mehrwertplatte (Carl-von-Ossietzky-Str. Nr 3-6): Das Add-on ist hier ein Laubengang auf der Hofseite als Balkon, Begegnungsraum und neue barrierefreie Erschließung aller Geschosse. Mit dieser Erschließungsform können die bestehenden Treppenhäuser als Wohnraum umgenutzt werden. Es entstehen damit sehr flexible, durchaus vom WBS 70–Standard abweichende ein – und zweigeschossige Wohntypologien.
Bestandsblock (Dr.-Robert-Koch-Str. 4-18): Die bestehende Wohnungsstruktur der Bestandsplatte wird erhalten, das Gewerbe im Erdgeschoss zum Hof hin erweitert. Add-on ist hier die Öffnung der Fassade und die Erweiterung des Wohnraums als Wintergarten zum Hof, der gleichzeitig als Klimapuffer dienen soll.
Neuer Bestandblock (Albert-Traeger-Str. 43): Zusätzlich zum Bestandstreppenhaus mit neuem Aufzug wird auf der Nordseite ein zweites Treppenaus mit Aufzug angefügt. Der ehemalige Laubengang wird den Wohnungen zugeschlagen und mit dem baulichen Add-on als Wohnraum zur Hofseite erweitert. Insgesamt ein wertvoller Beitrag, dessen Reichtum an sehr unterschiedlichen Einzelmaßnahmen an manchen Stellen für diesen konkreten Ort, seine Bewohnerschaft bzw. reale Nachfrage etwas überambitioniert erscheint. Die Kosten übersteigen das angegeben Budget deutlich, jedoch sollen die Mehrkosten über alternative Beteiligungsformen von genossenschaftlichen Baugruppen (re-)finanziert werden.
Dritter Preis
Der dritte Preis wurde an Buero Kofink Schels, München mit Dyvik Kahlen Architects, London und mit Treibhaus Landschaftsarchitektur, Hamburg und mit Bauart Konstruktions GmbH & Co KG München vergeben. In der Bewertung der Jury ist zu lesen (Auszüge): Die Arbeit überzeugt mit der südlichen Quartiersschließung – Anordnung Gewächshaus – durch ein klares städtebauliches Gesamtkonzept einerseits und durch die Schaffung eines erlebbaren Wohnhofes durch konsequente Zugangsmöglichkeiten über alle Erdgeschosse der Bestandsgebäude andererseits.
Die Mehrwegplatte (Carl-von-Ossietzky-Str. 3-6) wird mittels einer additiven Balkon- und Loggienschicht in Richtung Hof und einer sogenannten „Portego“-Lösung zu einem flexiblen Gemeinschaftswohnhaus umgestaltet. Ein aus historischer venezianischer Bauweise entliehener Durchgangsraum verbindet im Erdgeschoss die Straßen- mit der Hofseite und erschließt die rückwärtigen Gemeinschaftsräume, welche nun barrierefrei erreichbar und teilweise zweigeschossig ausgebildet sind.
Die östliche optimierte Bestandsplatte (Dr.-Robert-Koch-Str. 4-10) wird ebenfalls mit einer Funktionsunterlagerung im Erdgeschoss belegt. Das Gebäude erhält eine zusätzliche, großzügige Balkonanlage zum Hof, welche mit Brüstungselementen aus Photovoltaik bestückt wird.
Die westliche optimierte Bestandsplatte (Dr.-Robert-Koch-Str. 12-18) wird erdgeschossig zu Familienwohnungen mit ebenerdigen Terrassen umgebaut.
Der Bestandsblock (Albert-Traeger-Str. 43) wird mittels einer auffallend expressiven Erschließung von einem Laubengang- auf ein 2 x 2-Spänner-System umgebaut. Auch wenn die Gestaltung kontrovers diskutiert wird, ermöglicht dieser Eingriff eine sehr komfortable Umgestaltung dieses besonderen Haustyps.
Der Entwurf überzeugt mit einer detaillierten und differenzierten Untersuchung aller Teile des Bearbeitungsbereiches und stellt einen sehr guten Beitrag im Sinne der Aufgabenstellung dar.
Anerkennung
Eine Anerkennung hat die Jury an 03 Architekten, München mit ver.de landschaftsarchitektur GbR, Freising und mit TEUBER + VIEL, München verliehen.
In der Bewertung der Jury steht hierzu (Auszüge): Den Verfassern gelingt es, die städtebauliche Integration der Einzelgebäude zu einem Stadtblock basierend auf einer „neuen Utopie des Zusammenlebens“ durch verschiedene Maßnahmen zu fördern: Sie plädieren für neue Möglichkeitsräume der Aneignung von gemeinschaftlichen Freiräumen im Hof und auf begehbaren Dächern mit einer beeindruckenden Aussicht in den umgebenden Landschaftsraum.
Generell zeichnet sich die gesamte Arbeit durch ein ambitioniertes und programmatisches Konzept, eine Vielzahl interessanter Ideen und einen überzeugenden prozessualen Ansatz aus, der jedoch in Teilen überprogrammiert und -inszeniert wirkt.
Anerkennung
Eine weitere Anerkennung wurde an Atelier . Schmelzer . Weber, Dresden mit Querfeld Eins Landschaft Dresden und mit Trag Werk Ingenieure Dökin + Purtak, Dresden verliehen. Die Jury schrieb hierzu (Auszüge): Die Arbeit überzeugt durch ihre große gestalterische Einheitlichkeit, was - nach Abbruch der Bestandbalkons- durch neue, elegante Fassadenlösungen erreicht wird. Dabei steht eine Konstruktion aus Fertigteilen als eigenständiges Tragwerk vor der Fassade.
Insgesamt ein sehr gut durchgearbeiteter, gestalterisch überzeugender Entwurf, dessen Eignung für den konkreten Standort und die sozialräumlich differenzierte Programmatik der Auslobung dennoch zweifelhaft bleibt.