Nordhausen soll Kreisstadtstatus verlieren: Bürgermeisterin Krauth: „Jetzt erst recht und geschlossen für Nordhausen als Kreisstadt brennen und kämpfen“

Mittwoch, 19.April 2017, 13:21 Uhr
Nordhausen (psv) Nordhausens Bürgermeisterin Jutta Krauth zeigt sich enttäuscht über die Entscheidung des Thüringer Innenministers gegen Nordhausen als Kreisstadt nach einer Kreisgebietsreform. Aufgeben komme allerdings nicht in Frage.

„Jetzt erst recht müssen wir alle geschlossen für Nordhausen als Kreisstadt brennen und kämpfen, so wie es die Stadtratsfraktionen parteiübergreifend bereits getan haben“ sagte Frau Krauth. „Ich rufe alle Nordhäuserinnen und Nordhäuser, alle gesellschaftlichen Gruppen von der Kultur über die Sportvereine bis hin zu den Wirtschaftsverbänden dazu auf, gemeinsam und sehr deutlich die Stimme zu erheben für den Erhalt von Nordhausen als Kreisstadt.“

(Foto: P. Grabe, Pressestelle Stadt Nordhausen)
Zum Bild: Nordhausens Bürgermeisterin – hier bei Unterzeichnung des Eingemeindungsvertrags mit der Gemeinde Buchholz im Februar – ruft zum Kampf für Nordhausen als Kreisstadt auf. „Wir müssen geschlossen für Nordhausen brennen und kämpfen.“

Für Ende Mai kündigt sie einen Sonderstadtrat zum Thema Eingemeindungen an. Dort sollen weitere Fusionen von Nordhausen mit Nachbargemeinden beschlossen werden. Zugleich kritisierte sie das Landratsamt. Dies habe durch das Verschleppen pflichtgemäßer Entscheidungen Nordhausens Position im Kampf um den Kreisstadtstatus erheblich geschwächt. Dies müsse sofort ein Ende haben.

„Ich werde zur nächsten Stadtratssitzung am 2. Mai Innenminister Dr. Holger Poppenhäger und alle Nordhäuserinnen und Nordhäuser zu einem Bürgerdialog einladen“, sagte Frau Krauth. „Sollte dieser Termin von Dr. Poppenhäger nicht wahrgenommen werden können, lade ich ihn für den Sonderstadtrat Ende Mai ein.“ Dort wolle man zum einen dem Innenminister darlegen, dass es „der Vernunft widerspricht, der größten und stärksten Stadt den Kreisstadtstatus zu nehmen. Zum anderen sollte der Innenminister den Nordhäuserinnen und Nordhäusern vor Ort seine fachlichen Gründe gegen Nordhausen als Kreisstadt erklären.“

„Es schadet der gesamten Region, wenn man die Starken künstlich schwächt. Das macht auch die Schwachen nicht stärker“, so die Bürgermeisterin. „Die Leistungskraft der Stadt Nordhausen strahlt historisch in den gesamten Thüringer Norden aus. Der Verlust des Kreisstadtstatus schwächt die bevölkerungsreichste Stadt der Region und somit den gesamten neuen Landkreis. Durch das Zusammengehen mit dem Kyffhäuserlandkreis bedarf es besonderer Anstrengungen im Wettbewerb der Regionen untereinander. Die Fehler der Vergangenheit dürfen nicht wiederholt werden. Die Stadt Nordhausen konnte in den 90-iger Jahren den Verlust der oberzentralen Funktionen wie Finanzamt und Katasteramt im Laufe der Jahre auffangen. Artern und Sondershausen hat diese Verlagerungen in ihre Städte jedoch nicht gestärkt und nicht vor dem weiteren Einbruch der Bevölkerungszahlen bewahrt. Nordhausen ist für die überwältigende Mehrheit der Bewohner des zukünftigen Kreises schneller und besser sowohl mit dem ÖPNV als auch individuell erreichbar, als jede andere kreisangehörige Stadt in diesem künftigen Kreisgebiet. Nirgendwo sind Arbeitsplatz-, Dienstleistungs-, Bildungs-, Wohn- und Kulturangebote in derartiger Dichte und Qualität vorhanden bzw. in angemessener Entfernung erreichbar“, sagte Frau Krauth.

Die Bürgermeisterin appellierte eindrücklich an das Nordhäuser Landratsamt „die bewusste Schwächung Nordhausens endlich zu überwinden. Nach vier Monaten warten wir bis heute auf die Genehmigung des Haushalts. Es gibt aus dem Landratsamt immer noch kein Bekenntnis zur Sanierung des Albert-Kuntz-Sportparks; die nötige Sanierung unseres Theaters hängt in der Luft. Die unsägliche Hinauszögerung des Termins für die OB-Wahl schwächt Nordhausen. Diese Nebenkriegsschauplätze müssen sofort beendet werden. Es geht um die Zukunft von Nordhausen für die kommenden Jahrzehnte.“