Ilsetraut-Glock-Grabe-Stiftung

Die erste Ehrenbürgerin von Nordhausen

Seit dem 13. Mai 2002 hat die Stadt Nordhausen eine Ehrenbürgerin. Die 1915 in Nordhausen geborene Kunst-Mäzenin Ilsetraut Glock-Grabe bekam an diesem Abend bei einem Festakt im Theater von Oberbürgermeisterin Barbara Rinke die Urkunde und trug sich in das „Goldene Buch“ der Stadt Nordhausen ein. Der Festakt war zugleich Auftakt-Veranstaltung für die Feierlichkeiten zum 1075jährigen Jubiläum der Stadt.

Frau Glock-Grabe, die seit 1948 in Bonn lebt, hat in ihrer Heimatstadt eine Kunst-Stiftung ins Leben gerufen, die ihren Namen trägt. Unter anderem vergibt alle zwei Jahre diese Stiftung Preise an junge Künstler.

„Jede Ehrung ist immer auch eine Belastung. Wenn ich getadelt werde, weiß ich, dass ich besser bin – wenn ich gelobt werde, weiß ich, dass ich besser werden muss. Ich verspreche Ihnen, besser zu werden“, sagte Frau Glock-Grabe. Gemeinsam mit den Mitstreitern bei der Glock-Grabe Stiftung und bei der Stadt Nordhausen habe man zwar schon viel geleistet, „aber das Ziel noch nicht ganz erreicht.“ Als nächstes Projekt kündigte Frau Glock-Grabe für Juni eine Ausstellung von mitteldeutschen Grafikern im Kunstforum Bonn an, besonders stolz sei sie, so Frau Glock-Grabe, dass dort zur Eröffnung die Kuratorin der Bundes-Kunsthalle in Bonn sprechen werde.

Die Ehrenbürgerin erinnerte sich an die 1000 Jahr-Feier der Stadt 1927, als sie - „im Biedermeier-Kleidchen“ - beim Festumzug dabei war: „Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich heute auf der Bühne des Theaters stehen werde, ich hätte ihn für verrückt erklärt.“

Beeindruckt zeigte sich Frau Glock-Grabe auch von den Veränderungen in der Stadt: „Wenn ich durch die Straßen gehe, mich umschaue, und mit der Vergangenheit vergleiche, ist es wie ein Wunder: Wenn ich jetzt hier nicht reden müsste, wäre ich sprachlos.“

In ihrer Laudatio auf Ilsetraut Glock-Grabe sagte die Nordhäuser Kunsterzieherin Karin Kisker: „Das Attribut alt mag man allenfalls ihren Knien zugestehen, denn Ihr Kopf scheint ein ewiger Jungbrunnen, der allweil Neues anzustiften vermag.“ Frau Kisker bescheinigte der Ehrenbürgerin „ein Übermaß an Fantasie. Der Urgrund ihrer Vorstellungskraft liegt wohl nicht zuletzt auch in jenen Legenden und Geschichten begründet, die ihr ihre Großmutter erzählte, da sie noch mit ihrer Mutter in der Nordhäuser Osterstraße wohnte – in unmittelbarer Nachbarschaft des Meyenburg-Museums.“ Das Meyenburg-Museum wird im Herbst diesen Jahres als Kunsthaus die Werke der Ilsetraut Glock-Grabe-Stiftung beheimaten.

Das Eigentliche der Stiftung sei – neben dem finanziellen Beitrag – „der mit der Stiftung verbundene Zweck, die Idee, die der Stifterin in unserem Sinn höchste Ehre gereicht. Und Ehre ist auch in der Marktwirtschaft nicht wirklich käuflich. Sie hat vielmehr für denjenigen, der sie verleiht, etwas Verpflichtendes.“ Die Kunstsammlung von Frau Glock-Grabe sei ein guter Grundstock, der die Stadt in die Lage versetze, weit über ihre Grenzen hinaus zu wirken. „Wer sich wie Sie – Frau Glock – mit all seiner Kraft und mit noch mehr um die Beförderung und Befriedigung der geistigen Bedürftigkeit des Menschen verdient macht, der verdient es wahrlich, als Wohltäter angesehen zu werden“, sagte Frau Kisker.