Jakob Plaut

(1807 – 1901)

Der Humanist

Jakob PlautDie Brüder Jakob, Moritz und Gustav Plaut sind mit Nordhausen für alle Zeiten verbunden. Insbesondere Jakob Plaut kann wohl mit Hermann Arnold verglichen werden, der in ähnlicher Weise für das Gemeinwohl gewirkt hat.

Am 11. Januar 1817 wird Jakob Plaut, als Sohn von Herz Cusel Plaut und Caroline in Nordhausen geboren. Er besucht das Gymnasium von 1823 bis 1829 bis zur Untersekunda und scheint in den neueren Sprachen und Mathematik eine besondere Befähigung zu haben. Der jüdische Gemeindelehrer N. F. Havelland, der ihn in jüdischer Geschichte, Religion und hebräischer Sprache unterrichtet, bezeichnet ihn „als Muster für seine übrigen Schüler“.

Nach der Handelsschule in Leipzig und einer Lehre im Bankhaus Becker &. Co., tritt er in das väterliche Geschäft. 1852 wurden die Geschäfte der väterlichen Firma H. C. Plaut der Firma Bach und Frenkel übertragen. Die Gebrüder Plaut begründen ein Bankhaus in Leipzig, nachdem sie ein solches auch schon in Berlin eröffnet haben.

Jakob Plaut ist anspruchslos. Seine Ernährungsweise stellt er in den 1860er Jahren auf vegetarische Grundsätze um. Er reist viel und fühlt sich in Italien besonders wohl. Seine hinterlassene Bibliothek bezeugt seine Vorliebe für den Philosophen Baruch Spinoza, aber auch seine außerordentliche geistige Regsamkeit. Umgänglich, freundlich, bei allem sittlichen Ernst ein Freund heiterer Unterhaltung, ist Plaut ein Vorbild in gelebtem Humanismus. Zeugnisse seines philanthropischen Wirkens sind eine Anstalt für Lungenleidende in Nizza, ein Krankenhaus in den französischen Seealpen und wohltätige Stiftungen in Berlin und Leipzig. Nordhausen verdankt ihm neben einer sog. Volkslesehalle unter anderem das Plaut-Stift, ein Altenheim. Er stiftet dafür in Kapitel von 300.000 Mark, zu dem sein Schwager Samuel Frenkel ein Grundstück am Taschenberg und später noch eine beträchtliche Summe schenkt. Das Haus ist durch den Krieg völlig zerstört worden.

Am 4. Februar 1901 stirbt Jakob Plaut in Nizza.

Nordhausen hat Jakob Plaut wie seinen Bruder Moritz zum Ehrenbürger ernannt. Auch eine Straße und eine Treppe erinnern noch heute an seinen hochherzigen Bürgersinn und die gemeinnützigen Taten seiner Brüder. Sie lebten getreu der talmudischen Spruchweisheit: „Es stünde besser um Volk und Welt, hätt' Geld mehr Herz und Herz mehr Geld!“