Michael Meyenburg

(1491 – 1555)

Reformator und Bürgermeister

Michael MeyenburgAm 13. November 1555 stirbt der Bürgermeister der freien und des Reiches Stadt Nordhausen Michael Meyenburg im 64. Lebensjahr. Im gleichen Jahr war der allgemeine Religionsfriede zu Augsburg geschlossen worden, war die Epoche der Reformation, an der Meyenburg großen Anteil hatte, zu Ende. In der St. Blasiikirche wird Meyenburg beigesetzt. Dort wird das Gemälde Cranachs von der „Auferstehung des Lazarus“ angebracht, das Meyenburg im Kreise seiner Familie darstellt.

Michael Meyenburg stammt aus Steinau und muss dort 1491 geboren sein. Sein Vater hieß wohl Leyser, seine Mutter wird als „Bademagd“ bezeichnet. Der „Sohn einer Bademagd“ studiert in Erfurt von 1506 bis 1509 Rechtswissenschaften, wird als achtzehnjähriger Bakkalaureus Stadtschreiber in Nordhausen. War die erste Amtstätigkeit vornehmlich juristisch-notarieller Art, so arbeitet er auch im außenpolitischen Dienst der Reichsstadt. Bei Vertragsabschlüssen beweißt er außerordentliche Geschicklichkeit, so dass er 1523 vom Unter- zum Oberstadtschreiber ernannt wird. Vermutlich beteiligt er sich schon damals am Kupferhandel, durch Vermittlung von Matthias Lachenbeck, Gothaer Bürger und Geschäftsführer bei der Hütte zu Hohenkirchen. Ende 1525 heiratet er Lachenbecks Tochter Ursula. Als seine Frau schon 1529 stirbt, hat er vor, den Stadtschreiberposten in Frankfurt am Main zu übernehmen.

Es gelingt dem Nordhäuser Rat, den bewährten Mann zu halten, man ermöglicht ihm die Aufnahme in die Gilde der Kaufleute. Damit kann er legal Mittel erwerben, die ihn finanziell unabhängig machen - die Voraussetzung für eine ehrenamtliche Tätigkeit im Rate der Stadt. Zwischen 1530 und 1535 heiratet er Anna Reinecke, die Tochter eines Jugendfreundes Luthers.

Meyenburgs Haus in der Hagenstraße (heute Baltzerstraße) ist Treffpunkt von Persönlichkeiten aus Politik, Wissenschaft, Kunst und Theologie. Er schließt Freundschaft mit Melanchthon. Ziel seines Wirkens ist es, die Stadt Nordhausen bei ihren Rechten zu erhalten, ihre Sicherheit zu festigen, ihren Wohlstand zu vergrößern und ihr Ansehen im Reich zu mehren. Nicht nur auf katholischer Seite entstanden Meyenburg Feinde. In der Frage des Augsburger Interims (1548), das er unterzeichnen lässt, entstehen Spannungen auch mit der protestantischen Geistlichkeit.

Meyenburg nimmt nicht nur die Interessen Nordhausens wahr, auch die Reichsstädte Mühlhausen und Goslar beauftragen ihn mit der Vertretung auf Kreis-, Reichs- und Städtetagen. Dass seine Wirksamkeit zugleich im Reichsinteresse liegt, dokumentiert die Verleihung eines Wappens durch Kaiser Karl V.


(nach: R. H. Walther Müller)