Oscar Hasse

(1837 – 1898)

Pionier der Blut-Transfusion

Oscar HasseAm nördlichen Ausgang des Stadtparkes steht ein Findling, der ein schlichtes Porträtmedaillon trägt. Der Nordhäuser Harzklub widmete den Stein im Jahre 1900 seinem Begründer und langjährigen Vorsitzenden, Dr. Oscar Hasse, dem begeisterten Förderer der Harztouristik, aber auch dem verdienten Arzt und Forscher und gemeinnützigen Mitbürger.

Oscar Hermann Hasse wird am 13. März 1837 als Pfarrer-Sohn in Quedlinburg geboren. Er studiert Medizin in Greifswald und Berlin und wird 1861 promoviert. Bis 1864 arbeitet er als Assistent in einem Berliner Krankenhaus. Am 25. Oktober 1864 lässt er sich als Arzt in Nordhausen nieder. Er entfaltet sich auf dem Gebiet ärztlicher Kunst, das nur wenige betreten hatten: der Blutübertragung. Er unternimmt Versuche an Patienten, deren Zustand hoffnungslos zu sein scheint. Der Erfolg ist überraschend, und Hasse veröffentlicht einen Bericht in der „Berliner Klinischen Wochenschrift“ 1869.

Sein Ruf als hervorragender Wundarzt reicht weit. Während er anfänglich den Patienten auf direktem Wege ungerinnbar gemachtes Menschenblut injiziert, wendet er sich seit 1873 der direkten Blut-Transfusion von lebenden Lämmern auf Menschen zu. Das Verfahren geht ohne Kenntnis der erst später entdeckten Blutgruppen vor sich. Es bleibt erstaunlich, wie hoch der Prozentsatz der erfolgreichen Transfusionen und damit der Heilerfolge gewesen ist. Den Verlauf und die Ergebnisse der von ihm bis 1873 vorgenommenen 31 Blutübertragungen veröffentlicht Dr. Hasse in seiner Abhandlung „Die Lammblut-Transfusion beim Menschen“ (1874). Auch in technischer Hinsicht ist er bemüht, seine Erfahrung der Ärztewelt zur Verfügung zu stellen. Er empfiehlt seine Apparatur der Transfusion in der Fachliteratur.

Hasse ist dem Harz verbunden. Wie er selbst körperliche Erholung und seelische Sammlung auf Wanderungen findet, will er andere begeistern. Er gründet den Nordhäuser Harzklub-Zweigverein, wird sein Vorsitzender und Ehrenvorsitzender.

Als Hasse am 14.2.1898 stirbt, bedarf es keiner Überredung, um Spenden für einen Gedenksteines zu sammeln. „Selbstlos und frei von persönlichem Ehrgeiz, schlicht und anspruchslos in seinem Äußeren, nachsichtig gegenüber menschlichen Schwächen, stets bereit, in der Stille anderen zu helfen“ - so würdigt ihn das „Biographische Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker“ (1931).


(nach: R. H. Walther Müller)