Karl Wilhelm Gesenius

(1786 – 1842)

Der Theologe und Orientalist verfasste das erste hebräisch-deutsche Wörterbuch.


Karl Wilhelm GeseniusEr empfing zunächst Privatunterricht, trat dann in die Tertia des hiesigen Gymnasiums ein und blieb dessen Zögling bis 1803. Nach dem Besuch des Gymnasiums ging Gesenius an die Universität Helmstedt, um sich theologischen und philologischen Studien zu widmen. Neben den klassischen Sprachen widmete er sich vornehmlich der Auslegung des Alten Testaments. Durch das Hebräische, für das er schon auf dem Gymnasium besonderes Interesse zeigte, kam er auch af die verwandten Dialekte, die sogenannten Sprachen mit wissenschaftlichem Anspruch betrieben.

Anfangs hatte er noch die Absicht, sich künftig dem praktischen Schul- und Pfarramt zu zuwenden, doch dann schlug er, begeistert durch das Vorbild seiner Dozenten, die akademische Laufbahn ein.

Nach einer kurzen Lehrertätigkeit am Pädagogium zu Helmstedt wurde Gesenius 1806 Repetitor und Privatdozent in Göttingen. Nach dreijähriger akademischer Tätigkeit nahm er ein Angebot vom Gymnasium in Heiligenstadt an. Dort verfasste er das hebräisch-deutsche Wörterbuch, das ihn sofort bekannt machte. Gesenius` Arbeiten zur hebräischen Sprache gelten als Bahn brechend. Als gemäßigter Rationalist geriet er damit in Opposition zu der zeitgenössischen Haltung, die semitischen Sprachen seien geheiligt.

1810 erhielt er die Berufung zum außerordentlichen und 1811 ordentlicher Professor für Theologie an der Universität Halle. Bereits ein Jahr später wurde Gesenius Ordinarius, die ihm 1813 den akademischen Grad Doktor der Theologie verlieh. Er gehörte zu den berühmtesten Professoren seiner Zeit. Umfassende historische, archäologische und religionsgeschichtliche Kenntnisse verliehen seinem Werk zusätzliche Autorität.

Lexikographie und Grammatik waren seine Hauptgebiete. Der Einfluss seiner Arbeiten erstreckt sich bis in die heutige Zeit. „Die Hebräische Grammatik“ (1813) und das „Hebräische Wörterbuch über das Alte Testament“ (1812) werden noch heute in reprografischen Nachdrucken der Anfang des 20. Jahrhunderts erschienenen Auflagen verlegt.

1827 wurde Gesenius zum Königlich Preußischen Konsistorialrat ernannt, war Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften, der Asiatischen Gesellschaften von Paris, Großbritannien und Irland und der Philosophischen Gesellschaft zu Cambridge.

Bei all seinem schaffensreichen Wirken als Wissenschaftler und Pädagoge in Halle pflegte er ein sehr inniges Verhältnis zu seiner Vaterstadt Nordhausen.

Im Jahr 1824 stiftete er dem Nordhäuser Gymnasium anlässlich des 300. Schuljubiläums alle seine Werke mit persönlicher Widmung.

Nordhausen verlieh Karl Wilhelm Gesenius zu seinem 50. Geburtstag 1836 den Ehrenbürgerbrief der Stadt.