Margret Böning

(1911 – 1995)

Bildhauerin und Kollwitz-Schülerin

1970 schreibt Margret Böning: „Frau Kollwitz wurde für mich Mutter Käthe und für meine Kinder die Oma, bald waren wir eine innige kleine Gemeinschaft.“

Die Künstlerin wird am 29. März 1911 in Nordhausen geboren. Ihr Vater ist der Arzt und bekannte Sozialdemokrat Dr. Carl Schultes, der die „Nordhäuser Volkszeitung“ mit begründet. Im Elternhaus am oberen Promenadeneingang, „Vor dem Hagentor“ verlebt sie eine glückliche Kindheit. Zu Hause verkehren vor und nach dem Weltkrieg Persönlichkeiten aus Politik und Kultur, Reichstagsabgeordnete, Künstler und Künstlerinnen aus dem Musik- und Theaterleben. Diese geistig aufgeschlossene Atmosphäre und das musische Klima prägten auch Margrets Entwicklung.

Margret wird Bildhauerin und Malerin und wohnt mit ihrer Familie, als der Zweite Weltkrieg ausbrach, mit ihrer Familie wieder im elterlichen Haus. Schon als junges Mädchen bewundert sie Käthe Kollwitz. Vom 3. August 1943 bis zum 20. Juli 1944 lebt Käthe Kollwitz als Gast der Nordhäuser Künstlerin in der Stadt. Während ihres Aufenthaltes in Nordhausen arbeitet Käthe Kollwitz nicht mehr, nimmt aber lebhaften Anteil an der Arbeit von Margret Böning als Bildhauerin, die zu ihrer letzten Schülerin wird.

Schwere Schicksalsschläge treffen Margret Böning nach dem 2. Weltkrieg. Der Ehemann stirbt im Sommer 1945 in einem Lazarett in Norwegen. Als sie 1950 Trost und Frieden in einem Bruderhof in England sucht, verliert sie den erst 17-jährigen Sohn. Später lebt sie lange Zeit in Würzburg-Keesburg und stirbt am 16. August 1995 in Bad Brückenau.

Was bleibt vom künstlerischen Werk der Bildhauerin und Malerin Margret Böning? Auf der 2. Nordhäuser Kunstausstellung von 1946 präsentiert sie ihre Kollwitz-Plastik, entstanden nach einem Porträt von 1944. 10 Abgüsse werden hergestellt, die sich u.a. in Leipzig, Kassel, den USA, in Amsterdam, bei der Kollwitz-Enkelin und in der Käthe-Kollwitz-Schule in Darmstadt befinden. Sie schafft eine Käthe Kollwitz-Gedächtnisplakette für das Elternhaus in Nordhausen, eine große Bach-Maske für Dr. Isemann, Krippenfiguren für die Familie Treichel und eine Steinmaske der Mutter. Nach 1950 entstehen vor allem Pinsel- und Federzeichnungen wie „Ricarda Huch“ (1969) und plastische Arbeiten wie „Trauernde Indianerin“, Terrakotta (1973) und „Liebespaar“ (1972).


(nach: Dr. Rolf Barthel)